Ja zum Leben!

Ein Artikel der nicht nur zum beginnenden Frühling passt.


Als Hebamme (und Heilpraktikerin mit Spezialisierung auf Kinder- und Frauenheilkunde) bin ich nun seit knapp 20 Jahren „Fachfrau für das Leben“. Immer wieder bin ich begeistert und berührt von der Lebenskraft und dem Lebenswillen der Schöpfung, speziell was das Leben an sich anbelangt.

Es gibt eine Geschichte über einen Wissenschaftler, der einen Schmetterling bei seiner „Geburt“ beobachtet: Ein Wissenschaftler beobachtete einen Schmetterling und sah, wie sehr sich dieser abmühte, durch das enge Loch aus dem Kokon zu schlüpfen. Stundenlang kämpfte der Schmetterling, um sich daraus zu befreien. Da bekam der Wissenschaftler Mitleid mit dem Schmetterling, ging in die Küche, holte ein kleines Messer und weitete vorsichtig das Loch im Kokon, damit sich der Schmetterling leichter befreien konnte. Der Schmetterling entschlüpfte sehr schnell und sehr leicht. Doch was der Mann dann sah, erschreckte ihn doch sehr. Der Schmetterling der da entschlüpfte, war ein Krüppel.

Die Flügel waren ganz kurz und er konnte nur flattern, aber nicht richtig fliegen. Da ging der Wissenschaftler zu einem Freund, einem Biologen, und fragte diesen: "Warum sind die Flügel so kurz und warum kann dieser Schmetterling nicht richtig fliegen?" Der Biologe fragte ihn, was er denn gemacht hätte. Da erzählte der Wissenschaftler, dass er dem Schmetterling geholfen hatte, leichter aus dem Kokon zu schlüpfen.

"Das war das Schlimmste was du tun konntest. Denn durch die enge Öffnung, ist der Schmetterling gezwungen, sich hindurch zu quetschen. Erst dadurch werden seine Flügel aus dem Körper herausgequetscht und wenn er dann ganz ausgeschlüpft ist, kann er fliegen. Weil du ihm geholfen hast und den Schmerz ersparen wolltest, hast du ihm zwar kurzfristig geholfen, aber langfristig zum Krüppel gemacht."

Wie der Schmetterling sagt ein ungeborenes Kind Ja zum Leben ab dem ersten Moment seiner Entstehung. Mit aller Kraft setzt es sich ein, um uns direkt am Wunder des Lebens teilhaben zu lassen.

Egal wie schwierig eine Schwangerschaft entsteht oder verläuft, egal wie aufregend, unerwartet und anstrengend seine Geburt verläuft, es kämpft sich ins Leben. Was das Kind dann erwartet, ist nicht immer sanft, herrlich und einfühlsam. Ist es nicht vielmehr so, dass das Kind seine warme gemütliche Behausung verlässt und sich auf eine ungewisse Reise begibt?! Wird es dabei nicht sogar geschubst, gequetscht, bedrängt?! Und ist nicht das, was dann kommt, alles, aber eben nicht kuschelig und warm?! Es ist das genaue Gegenteil von dem, was das Kind 10 Monate kennen gelernt hat. Es kann sich nicht alleine ernähren, es kann nicht weglaufen, es kann sich nicht in der Sprache verständigen, die die Welt drum herum spricht. Aber es macht weiter; jeden Tag aufs neue. Es steckt fast alle Enttäuschungen weg, fast alle Unbequemlichkeiten auf dem Weg in diese Welt. Jeden Tag will es lernen, wachsen und werden! Mit aller Kraft und zum Trotz aller Schwierigkeiten. Es hat Ja gesagt zum Leben mit allen Konsequenzen.

Jeder von uns hat genau diesen Weg durchlaufen und wir alle haben dem Leben zugesagt!

Immer mal wieder begegnen uns Situationen im Leben, die uns zweifeln lassen an unserem Sein und Sinn, an unserem Tun, vielleicht am Leben an sich. Sollten wir uns nicht genau in diesen Situationen versuchen, an das zu erinnern, was wir schon in unserer frühesten Entstehung geleistet haben? Wenn wir diesen Weg geschafft haben, können wir alles schaffen! Denn wie dem Schmetterling hat uns unsere Reise ins Leben zu einer Kraft und zu einer Willensstärke verholfen, uns durch schwere Situationen unseres Lebens zu arbeiten, allen Wiederständen zum Trotz. Es gibt Geburts- und Pränatalwissenschaftler, die der Überzeugung sind, dass wir mit der Geburt bereits die schwerste Aufgabe unseres Lebens gemeistert haben!

Diese Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass es gerade diese Anstrengung ist, die uns stark macht! Trägt das Leben an sich nicht eine Notwendigkeit in sich, uns an unseren Herausforderungen stark werden zu lassen? Wie wäre ein Leben, ohne Hürden und ohne Hindernisse? Sicherlich sehr bequem. Und sonst?! Würden wir auch in dieser Bequemlichkeit die Notwendigkeit sehen, uns weiter zu entwickeln?

Als Hebamme bin ich jedes Mal dankbar dafür, das ungeborene und neugeborene Leben begleiten zu können. Jeder Mensch zeigt seine Stärke auf eine andere Art und Weise. Manches Mal ganz sanft mit wenig Tamtam, ein anderes Mal mit Pauken und Trompeten. Doch wenn ich ganz leise werde, kann ich selbst bei den schwächsten Geschöpfen einen Zauber spüren, den nur der Anfang eines neuen Lebens in sich trägt.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben!“ (Herrmann Hesse)

Besinnen wir uns mit jedem neuen Tag an den Zauber des Anfangs und an die uns gegebene Kraft. Sagen wir doch einfach jeden neuen Tag JA ZUM LEBEN!!