Die Mistel - Heilpflanze der Druiden

Misteln wurden schon immer wegen ihrer Heil- und Zauberkräfte verehrt. Keltische Druiden bevorzugten Misteln von Eichenbäumen. Sie wurden nach einem bestimmten Ritual geerntet; mit einer goldenen Sichel am 6. Tag nach Neumond und sie durften keinesfalls den Boden berühren, um ihre Zauberkräfte zu behalten!


Am einfachsten findet man Misteln wohl im Winter, wenn alles Laub von den Bäumen gefallen ist. Nun heben sie sich deutlich ab vom restlichen Astwerk der Bäume. Laubbaummisteln haben weiße Beeren, Nadelholzmisteln gelbe Beeren. Misteln bezeichnet man als Halbschmarotzer, weil sie zum einen auf Mineralstoffe und Wasser von ihrem Wirt angewiesen sind, zum anderen aber mit Hilfe von Fotosynthese Zucker und Nährstoffe produzieren.

Misteln kleben förmlich an den Ästen der Bäume. Tatsächlich enthalten ihre Samen eine Art klebrigen Schleim, der den Verdauungstrakt der Vögle unbeschadet übersteht. Über den Kot der Vögel gelangen die Samen auf die Baumrinde und kleben dort fest. Dann wächst eine Wurzel durch die Rinde und schiebt sich langsam unter ihr entlang. Der Baum versorgt die Mistel so mit Wasser und Nährstoffen, Jahr für Jahr. Die Misteln können so bis zu 50 cm hoch wachsen und bis zu 70 Jahre alt werden! Bevorzugt wachsen sie auf Störzonen.

 

Misteln ernten

Misteln ernst man am besten zwischen vier und fünf Uhr am Morgen, dann ist ihre Heilkraft am wirkungsvollsten. Mit Schwung (oder einer Leiter) klettert man auf den Baum und schneidet die Mistel (Teile) mit einem scharfen Messer ab. Aus mittelalterlichen Texten weiß man, dass die Misteln nicht mit Eisen in Berührung kommen sollten; deshalb hatte Miraculix wohl eine goldene Sichel. Wichtig ist, immer nur soviel zu nehmen wie man braucht; eine Handvoll reicht in der Regel für eine Tinktur aus. Die Mistel zählt in Deutschland zu den geschützten Pflanzen!! Sie darf bei uns also nicht gesammelt werden; in anderen Ländern aber ist es erlaubt!!

 

Heilwirkung der Mistel

Bekannt geworden ist die Misteltherapie im Rahmen der Krebsbehandlung. Einige Studien belegen, dass die Wirkstoffe der Mistel das Immunsystem stimulieren und das Tumorwachstum hemmen können. Der Erfolg herkömmlicher Therapien kann damit verbessert und die Nebenwirkungen einer Chemotherapie gelindert werden.

Auch Arteriosklerose und Gelenkerkrankungen können günstig beeinflusst werden, was sogar von der Schulmedizin anerkannt ist. Misteln sind auch Blutdrucksenkend und krampflösend; als Kaltauszug regelmässig getrunken stärken sie das Herz. Im Rahmen der Wechseljahre mit Symptomen wie Hitzewallungen, Atemnot, Angstgefühlen und Herzklopfen ist eine Mistelkur hilfreich. Die Mistel ist besonders geeignet für Menschen, deren feuriges Gemüt zu Stress und innerer Anspannung führt, die unter hohem Druck stehen und ihre innere Balance verloren haben.

In einigen Büchern wird die Mistel als giftig beschrieben in anderen nicht. Gerade deshalb scheint die Misteltherapie umstritten. Man sollte die Mistel wir jede andere Arzneipflanze behandeln, mit Respekt und Achtung. Wichtig ist: Alleine die Dosis macht das Gift. Auf keinen Fall sollten die Beeren verzehrt und immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden!! Auch sollte man beachten, dass die Teile der Mistel nie mit kochendem Wasser übergossen werden, da sonst die Giftstoffe freigesetzt werden! (Also immer Kaltauszug, damit die unerwünschten Wirkstoffe in den Pflanzenteilen bleiben.)

Die kultische Verwendung der Mistel reicht bis ins alte Babylon zurück. Dort schmückten Misteln einst die Tempel der Göttin Mylitta. Einmal im Leben sollte jede Frau der Göttin huldigen. Wenn sie dies wollte, band sie sich ein Tuch um den Kopf und setzte sich unter einen Mistelzweig. Anschließend teilte sie mit demjenigen das Lager, der sie dort antraf und ihr eine Münze gab. Ein Überbleibsel dieser alten Tradition lebt noch heute in dem Winterbrauch, einen blühenden Mistelzweig in der Adventszeit über der Tür aufzuhängen, unter dem Jene geküsst werden darf, die man darunter antrifft.

Die Mistel wurde vielerorts auch „Schlosskraut“ genannt, da man, wie man glaubte mit ihr alle Türen und Tore und sogar den weiblichen Geburtenschoß aufschließen konnte. Im Volksmund heißt die Mistel auch „Hexenbesen“ oder „Drudenfuß“, weil sie nur an Stellen wächst, wo „Hexenkräfte“, also schädliche Störfelder vorliegen. Es gibt alte Rosenkränze, die aus Mistelholz geschnitzt sind, damit man sich vor solchen Einflüssen beschützt fühlt.